Press  »  Suchmaschinen: Welchen Jaguar hätten Sie denn gern?

Zschunke, Peter. Welchen Jaguar hätten Sie denn gern? Spiegel Online. April 22, 2007; Zschunke, Peter. Suchmaschinenforschung wird zur wissenschaftlichen Disziplin. derStandard.at. April 17, 2007. or The Associated Press. Die Macht der Suchmaschinen. Kurier. April 17, 2007. or Zschunke, Peter. Unentbehrliche Helfer oder Verzerrer der Wirklichkeit? Suchmaschinenforschung als wissenschaftliche Disziplin. ZDF Heute. April 17, 2007

Welchen Jaguar hätten Sie denn gern?

Eigentlich sind Suchmaschinen dazu gedacht, Dinge im Web zu entdecken. Mitunter aber verstecken sie auch Inhalte, denn die Ergebnisse sind weniger perfekt als man denkt. Grund genug für wissenschaftliche Forschung in der Sache - und für manche für den Ruf nach Regulierung.

Google, Yahoo oder MSN prägen den Alltag von Millionen Menschen. Welchen Einfluss dies auf Kultur und Gesellschaft hat, ist aber allenfalls zu erahnen. "Im Gegensatz zu der großen gesellschaftlichen Bedeutung und der Macht der Suchmaschinen weist die Forschung Lücken auf, die es aufzuarbeiten gilt", stellen Marcel Machill und Markus Beiler in einem von ihnen herausgegebenen Sammelband fest.

Suche im Web: Ohne Hilfsmittel geht gar nichts

Suchmaschinen haben eine zentrale Selektions- und Vermittlungsfunktion für das Internet. Sie sind unentbehrlich, um die unermessliche Vielfalt an Informationen sowie nützlichen bis unterhaltsamen Anwendungen zu erschließen. Aber "Suchmaschinen verzerren auch die Wirklichkeit", wie die Wissenschaftler am Lehrstuhl für Journalistik der Universität Leipzig feststellen. Zum einen erfassen sie nur einen Bruchteil der tatsächlich vorhandenen Webseiten. Zum anderen halten die privaten Betreiber die Formeln streng geheim, die darüber entscheiden, welche Ergebnisse einer Suchanfrage zuerst angezeigt werden.

Semantische Schwächen

Die Qualität der Treffer ist einer von vier Faktoren, die der Hamburger Informationswissenschaftler Dirk Lewandowski bei der Bewertung der Qualität einer Suchmaschine nennt - neben der Qualität des Datenbestandes, der Technik der angebotenen Suchfunktionen und der Gestaltung der Benutzerführung. Dabei stehen die Betreiber der Suchmaschinen vor dem Dilemma, dass sich die Nutzer meist auf die Eingabe eines einzigen Suchbegriffs beschränken, der aber vieldeutig sein kann: Ist bei der Suche nach "Jaguar" das Raubtier, das Auto oder eine Stahlwarenfabrik dieses Namens gemeint? Die Suchmaschinen behelfen sich damit, dass sie auf der ersten Seite der Trefferliste Ergebnisse zu jeder der möglichen Bedeutungen anzeigen.

Auf der anderen Seite bringt das gezielte Ausreizen der Suchmöglichkeiten Informationen ans Tageslicht, die selbst Google-Chef Eric Schmidt lieber für sich behalten hätte: Die Informatiker Hendrik Speck und Frédéric Philipp Thiele schildern, wie das Internet-Magazin CNet mit einer Google-Recherche nicht nur Alter und Familienstand des Managers, sondern auch dessen Einkünfte, Hobbies und politische Ausrichtung entdeckt hat. In den Möglichkeiten eines solchen "Suchmaschinen-Hackings" sehen die Wissenschaftler Anzeichen für einen "Verlust der Privatsphäre durch die Macht der Suchmaschinen".

Pfadfinder und Torhüter

Die Beiträge des Sammelbands zum Thema Journalismus und Suchmaschinen thematisieren allerdings weniger die Möglichkeiten der investigativen Recherche als vielmehr Gefahren für Themenfindung und die Konstruktion einer nur noch im Internet wahrgenommenen Realität. Am kritischsten äußern sich die beiden Schweizer Wissenschaftler Vinzen Wyss und Guido Keel, die unter anderem davor warnen, die ureigene journalistische Verantwortung für die Auswahl wichtiger Themen letztlich einem privaten Unternehmen zu überlassen.

Denn Suchmaschinen sind kein Super-Massenmedium, sondern eher ein "Gatekeeper": Sie entscheiden als "Torhüter", welche Informationen man im Netz zu Gesicht bekommt und welche im Verborgenen bleiben.

Um der damit verbundenen Verantwortung gerecht zu werden, plädiert der Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen, Norbert Schneider, zwar nicht für eine staatliche Kontrolle, aber für eine "weiche Regulierung": Die privaten Betreiber der Suchmaschinen sollten Auskunft geben zu acht Fragen, auf deren Antworten die Öffentlichkeit ein Recht erheben kann. Dazu gehört auch die Frage: "Wie entsteht das Ranking innerhalb eines Suchbegriffs?"

Peter Zschunke, AP

Die Macht der Suchmaschinen - The Power of Search Engines, Marcell Machill/Markus Beiler (Hrsg). Verlag Herbert von Halem. Köln 2007. 350 Seiten. 28,50 Euro

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Professor Hendrik Speck. 2007.

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